Der zweite Regattatag stand im Zeichen der Halbfinals und Hoffnungsläufe, in denen die Finalplätze der olympischen Bootsklassen ausgemacht wurden. Im Skiff Frauen Leichtgewichte und im Zweier ohne Steuermann Leichtgewichte standen die Finalrennen auf dem Programm. Die Rennen fanden bei guten und fairen Wasserverhältnissen sowie nass-kalten Bedingungen statt. Im Lgw. Einer der Frauen gewann die See-Clüblerin Eliane Waser die Silbermedaille (8:04.90) hinter der Deutschen Marie-Louise Dräger (7:57.50) und vor der Schwedin Sara Karlsson (8:06.03).
Die Schweizer Ruder-Nationalmannschaft feierte am Samstag einen erfolgreichen Tag. Drei Medaillen sowie zwei A-Finalqualifikationen in den olympischen Bootsklassen standen auf dem Konto. Im Lgw. Zweier-ohne gewannen Raphaël Jeanneret und Simon Schürch das Finalrennen in souveräner Manier vor den Chilenen und im Endspurt sicherten sich Simon Niepmann und Lucas Tramèr die Bronzemedaille vor den Briten. Im Lgw. Skiff gewann Eliane Waser (See-Club Luzern) die Silbermedaille hinter Deutschland und vor Schweden. Im Halbfinal des schweren Doppelzweiers belegten die Sempacher André Vonarburg und Florian Stofer Platz zwei. Sie sind damit für das Finale vom Sonntag qualifiziert. Ebenso im A-Finale stehen Pamela Weisshaupt/Olivia Wyss im Doppelzweier Frauen Leichtgewichte, die ihren Hoffnungslauf gewannen.
Gold und Bronze im Zweier ohne Steuermann Leichtgewichte
Als Vorlaufsieger favorisiert waren die Mittelbahnen mit Chile und dem Boot Schweiz 2 mit Simon Schürch (Seeclub Sursee) und Raphaël Jeanneret (CA Vevey). Ebenfalls für das Finale qualifiziert hatte sich das Boot Schweiz 1 mit Simon Niepmann (Seeclub Zürich) und Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz). Jeanneret/Schürch erwischten erneut einen sehr guten Start und übernahmen im Rennen von Beginn an die Führung. Sie ruderten souverän an der Spitze des Feldes und vermochten ihren Vorsprung auf die Verfolger aus Chile, Grossbritannien, Dänemark, Hongkong sowie auf die Mannschaftskollegen Niepmann/Tramèr bis auf eine Bootslänge auszubauen. Bei allen Zwischenzeiten lagen Schürch/Jeanneret in Führung. Im Endspurt setzten Schürch/Jeanneret den Sprint genau zum richtigen Zeitpunkt an. Die Chilenen hatten bereits mit dem Sprint begonnen und liefen etwas auf das Schweizer Boot auf, ehe dann Schürch/Jeanneret 200 Meter vor dem Ziel ebenfalls zum Endspurt ansetzten und die Führung sicher bis ins Ziel brachten. Ein heisser Zweikampf entbrannte um den Bronzeplatz zwischen Niepmann/Tramèr und den lange auf dem dritten Platz rudernden Briten. Die Schweizer kämpften bis zum letzen Schlag und vermochten auf den letzten 100 Metern das britische Boot noch um 0.36 Sekunden aus den Medaillenrängen zu verdrängen. Mit der Gold- und Bronzemedaille bestätigten die Leichtgewichts-Männer ihre gute Form, die sie in ihrem Stammboot, dem Leichtgewichts-Vierer ohne bereits in Bled unter Beweis gestellt haben.
Silbermedaille für Eliane Waser
Ebenfalls mit einer Medaille belohnt wurde Eliane Waser (See-Club Luzern) im Skiff der Frauen Leichtgewichte. Am Vormittag hatte sie ihr Halbfinalrennen in überzeugender und technisch beeindruckender Manier gewonnen. Im Finalrennen am Nachmittag lieferte sich Eliane Waser ein packendes Rennen mit der Schwedin Sara Karlsson um den Silberplatz. Mit einem Blitzstart war die Deutsche Marie-Louise Dräger gleich zu Beginn des Rennens enteilt und ruderte sich einen uneinholbaren Vorsprung heraus. Waser lag lange Zeit auf dem vierten, teilweise auch dritten Platz, während sich die Schwedin bereits etwas sicher auf dem zweiten Platz wähnte. Auch die Japanerin Fukumoto mischte auf der ersten Streckenhälfte noch um die Medaillen mit, musste dann aber ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Auf dem dritten Streckenviertel war es dann Eliane Waser, die sich Schlag für Schlag an die Schwedin heranruderte und rund 500 Meter vor dem Ziel mit ihr gleichzog. Diese Chance liess sich Eliane Waser nicht entgehen. Sie ruderte gleich an der aufopfernd kämpfenden Schwedin vorbei und sicherte sich so die Silbermedaille im Einer der Frauen Leichtgewichte.
Vonarburg/Stofer im Doppelzweier-Final
Ein packendes Rennen bot sich auch im ersten Halbfinale der Männer-Doppelzweier. André Vonarburg/ Florian Stofer (beide Seeclub Sempach) erwischten nicht den besten Start und mussten sich gleich zu Beginn auf die Verfolgung der schnell gestarteten Slowenen Spik/Spik machen. Diese führten das Rennen lange Zeit an und versuchten mit einer Flucht nach vorne die Finalqualifikation zu sichern. Dahinter entwickelte sich ein packendes Rennen mit vielen Führungswechseln. Vonarburg/Stofer lagen zu jeder Zeit des Rennens auf einem finalberechtigten Platz, mussten jedoch die Zwischenspurts der Boote aus USA, Polen und vor allem China immer wieder abwehren. Die Slowenen bekundeten auf dem letzten Streckenviertel zunehmend Mühe und ihre Führungsposition geriet ins Wanken. Die Chinesen auf der Aussenbahn kamen dann immer besser in Fahrt und schlossen sowohl zu Vonarburg/Stofer sowie auf die Slowenen auf, während auch das US-Boot einen schnellen Endspurt ablieferte. Beim Zieleinlauf wurde es dann noch einmal spannend um den Sieg im Halbfinale. China behielt mit einem Vorsprung von 0.29 Sekunden auf Vonarburg/Stofer das bessere Ende für sich. Um winzige zwei Hundertstelsekunden verpassten die (zu) schnell gestarteten Slowenen die Finalqualifikation, welche sich die Amerikaner dank gewaltigem Endspurt sicherten. André Vonarburg und Florian Stofer stehen damit zum zweiten Mal zusammen in einem Weltcup-Finale.
Weisshaupt/Wyss ebenfalls im A-Finale
So gut wie noch nie in dieser Saison präsentierte sich der Doppelzweier Frauen Lgw. mit Pamela Weisshaupt (Seeclub Küsnacht) und Olivia Wyss (Seeclub Sursee). Im Feld der zwölf Boote ging es für die beiden Schweizerinnen in ihrem Hoffnungslauf um die direkte Finalqualifikation. Die Schweizerinnen starteten so schnell wie noch nie in dieser Saison in ein Rennen und mussten sich nach 500 Metern nur 1.32 Sekunden Rückstand auf die führenden Britinnen notieren lassen. Gleichauf ruderte auch das Boot aus Österreich, auf welches Weisshaupt/Wyss diese Saison erstmals trafen. Die Britinnen führten auf den ersten 1000 Metern das Rennen an, wobei sich nach der Streckenhälfte zeigte, dass die Schweizerinnen immer besser in Fahrt kamen. Sie schlossen zu den Britinnen auf und konnten sich vom österreichischen Boot lösen. Auf den letzten 500 Metern setzten sich Weisshaupt/Wyss dann an die Spitze und vermochten den Hoffnungslauf mit einer Bootslänge Vorsprung zu gewinnen.
Frauen Doppelvierer knapp am Finale vorbei
Dem Frauen Doppelvierer mit Martina Ernst (Belvoir Ruderclub Zürich), Katja Hauser (Seeclub Wädenswil), Nora Fiechter (Blauweiss Basel) und Regina Naunheim (Seeclub Wädenswil) gelang gegenüber dem Vorlauf ebenfalls eine erhebliche Leistungssteigerung in ihrem Hoffnungslauf. Lange Zeit führten die Schweizerinnen das Rennen an, ehe sie auf dem dritten Streckenabschnitt das erste chinesische Boot herankommen lassen mussten. Auf den letzten 250 Metern waren es dann die Neuseeländerinnen, die noch einmal Geschwindigkeit finden konnten und mit einem gewaltigen Endspurt die Schweizerinnen rund 50 Meter vor dem Ziel noch überholen konnten. Mit dem dritten Rang im Hoffnungslauf wurden die Schweizerinnen aus dem Finalrennen verdrängt. Der Schweizer Frauen-Doppelvierer rudert am Sonntagmorgen um 09.08 Uhr im B-Finale gegen die Boote aus China 2, Österreich, Dänemark, Rumänien und Polen.
Michael Schmid mit dem U23-Doppelvierer im B-Finale
Der junge U23-Doppelvierer mit Michael Schmid (See-Club Luzern), Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen), Jérémy Maillefer (Lausanne Sports Aviron) und Samuel Annen (Seeclub Zug) startete wiederum gut in das Halbfinale der Männer-Doppelvierer. Schon früh zeigte sich aber, dass das hohe Tempo der Spitzenboote nicht mitgegangen werden konnte und eine Finalqualifikation nicht möglich war. Der Schweizer Doppelvierer war jedoch Bord an Bord mit dem belgischen Boot um die Ränge 5 und 6 unterwegs, wobei sich die jungen Schweizer dank unnachgiebiger Fahrt durchsetzten und im Halbfinale den 5. Rang belegten. Sie rudern morgen um 09:14 Uhr gegen USA, Tschechien, Neuseeland, China und Belgien im B-Finale.
Ihre Rennen ebenfalls heute abgeschlossen haben Fabrizio Güttinger mit einem 15. Rang im Männer Einer, Patrick Joye mit einem 14. Rang im Einer der Männer Leichtgewichte sowie Angelina Casanova mit einem 9. Platz im Skiff Frauen Leichtgewichte.
Ruder-Weltcup-Regatta München: Resultate Rennen mit Schweizer Beteiligung vom 19.06.2010
Männer Leichtgewichte: Zweier ohne Steuermann, Final A: 1. Schürch/Jeanneret (Sz) 6:49,73. 2. Ouyarzun Zbinden / Cerda Silva (Chile) 6:50,80. 3. Tramer/Niepmann (Sz) 6:54,16. 4. Freeman-Pask/Boddy (Gb) 6:54,52. 5. Zielinski/Dittmann (Dä) 6:56,25. 6. Tang/Kwan (Hkg) 7:02,08.
Skiff, Final C (Ränge 13-18): 1. Gospodinov (Bul) 7:25,43. 2. Patrick Joye (Sz) 7:26,34. 3. Afandiyev (Azer) 7:33,34. 4. Rath (Ö) 7:34,23. 5. Rangel Ramirez (Mex) 7:36,38. 6. De Gendt (Be) 7:43,96.
Männer, offene Kategorie: Doppelzweier, 1. Halbfinale: 1. Liu/Shi (China) 6:36,74. 2. André Vonarburg/Florian Stofer (Sz) 6:37,03. 3. Ochal/Anderson (USA) 6:37,74. 4. Spik/Spik (Slo) 6:37,76. 5. Vitasek/Jirka (Tsch) 6:45,72. 6. Sloma/Chabel (Pol) 6:46,77. Vonarburg/Stofer somit im A-Finale.
Doppelvierer, 2. Halbfinale: 1. Grossbritannien 5:55,11. 2. Russland 5:55,99. 3. Australien 5:56,39. 4. China 5:57,54. 5. Schweiz (Samuel Annen, Jérémy Maillefer, Nico Stahlberg, Michael Schmid) 6:11,17. 6. Belgien 6:18,12. Schweiz damit im B-Finale.
Skiff, Final C (Ränge 13-18): 1. Aleksandrov (Azer) 7:12,06. 2. Crean (Gb) 7:18,01. 3. Fabrizio Güttinger (Sz) 7:19,86. 4. Bozhilov (Bul) 7:20,09. 5. Karppinen (Fi) 7:20,35. 6. Kreibich (Ö) 7:31,35.
Frauen, Leichtgewichte: Skiff, Final A: 1. Dräger (De) 7:57,50. 2. Eliane Waser (Sz) 8:04,90. 3. Karlsson (Sd) 8:06,03. 4. Knejp (Sd) 8:13,77. 5. Fukumoto (Jp) 8:14,18. 6. Hayashi (Jp) 8:20,81. Ferner: 9. Angelina Casanova (Sz)
Doppelzweier, 1. Hoffnungslauf: 1. Pamela Weisshaupt/Olivia Wyss (Sz) 7:28,64. 2. Cullen/Dennis (Gb) 7:30,69. 3. Laimböck/Taupe-Traer (Ö) 7:33,13. 4. Fred/Lilja (Sd) 7:47,43. 5. Gottlieb/Espersen (Dä) 7:48,64. Weisshaupt/Wyss somit im A-Finale.
Frauen, offene Kategorie: Doppelvierer, 1. Hoffnungslauf: 1. China 6:41,48. 2. Neuseeland 6:43,31. 3. Schweiz ( Regina Naunheim, Nora Fiechter, Katja Hauser, Martina Ernst) 6:44,34. 5. China 6:46,66. 6. Österreich 6:57,25. Schweiz somit im B-Finale.